Phädras Nacht

Sa 30.9., 20.00 Uhr | Residenztheater Bayerisches Staatsschauspiel

von Martin Kusej und Albert Ostermaier

Phädra lebt in vielen Welten. In der der Menschen, wenn sie sich in ihren Stiefsohn Hippolytos verliebt und - keusch zurückgewiesen - diesen vor seinem Vater Theseus verleumdet, der daraufhin den Tod des Sohnes verantwortet und dessen Unschuld zu spät erkennt. Phädra lebt in der Welt ihrer entgrenzten Gefühle: Liebe, Gewissensqualen, Lust, Verrat, bis zu Mord- und Selbstmordgelüsten gesteigerter Hass. Beeindruckend unbeirrbar geht sie ihrem Abgrund entgegen.

Schon bei Euripides ist sie zu Beginn der Tragödie krank und nah am Tod. Diese Welt speist sich aus der Nacht, ihre Liebe will nur gewinnen und ihre Gefühle steigen empor, verschwinden und tauchen in anderer Gestalt wieder auf. In gewisser Weise darf ihr Selbstmord als Befreiung gelten, denn sie will schon sterben, bevor die Tragödie begonnen hat. Und Phädra lebt seit Anbeginn des Denkens in der Welt des Mythos und wirbelt von dort aus die Fragen auf, die sich jedem stellen, der versucht, unvoreingenommen das Leben zu betrachten: Fragen nach dem Umgang mit dem Fremden, als Spiegel der Fremdheit, die durch unsere Geschlechterdifferenzen entsteht, Fragen nach der Unvereinbarkeit der Dinge, an die wir glauben wollen, und deren schrecklicher Wirklichkeit, wenn wir sie in vollem Licht sehen. Paare, die keine Paare sein dürfen, weil sie schon gebunden sind, weil sie verwandt sind, weil sie aus unterschiedlichen Generationen stammen.

"Phädras Nacht" streift die Varianten des Mythos, ohne dass ein zeitliches Vorher gleich ein Vorrecht bedeutet. So wird begreiflich, dass das, was schon vor Tausenden von Jahren die Gewalt der tragischen Ironie ausmachte, auch noch für uns gilt, obwohl wir verzweifelt versuchen, dem zu entkommen, durch Selberdenken, durch eine ausgewogenere Subjektivität oder durch eine traurige Vernunft. Phädra ist weder schuldig noch unschuldig, das sagt schon Jean Racine. Sarah Kane las nicht dessen Phädra-Variante, sondern die Senecas, die auf der verlorenen Version des Sophokles und dem "Bekränzten Hippolytos" des Euripides aufbaut. Dass Racine die Tat abmildert, indem er sie ins Reich der Gedankenspielerei legt, um sowohl Täter, Opfer und Theseus zu "schützen", ist wohl ebenso aus seiner Zeit herauszulesen, wie der sexuell aggressive Hippolyt der Sarah Kane auf die unsere verweist. Elend sterben müssen sie alle.

Residenztheater Bayerisches Staatsschauspiel | Max-Joseph-Platz 1 | 80539 München
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