Eines langen Tages Reise in die Nacht

Fr 13.10., 19.30 Uhr | Cuvilliés-Theater  Barrierefreier Zugang

von Eugene O'Neill

Die Sonne scheint an einem Augusttag durch die Fenster des Sommerhauses der Familie Tyrone. So beginnt beschaulich (in O'Neills Worten) "die Geschichte eines Tages, von acht Uhr früh bis Mitternacht, im Leben einer vierköpfigen Familie im Jahr 1912 - ein Tag, an dem Dinge passieren, die die gesamte Vergangenheit dieser Familie offenbaren. Eine tief tragische Geschichte, aber ohne irgendeine gewaltsame dramatische Handlung. Am Schluss sind sie immer noch da, durch die Vergangenheit ineinander verfangen, jeder schuldig und gleichzeitig unschuldig, sich gegenseitig verachtend, bedauernd, liebend, verständnisvoll und dennoch überhaupt nicht verstehend, vergebend, aber dazu verdammt, nie vergessen zu können."

Jeder gegen jeden. Jeder abhängig von Etwas und vom Anderen. Alle ohne Ausweg aus den familiären Prägungen und Spuren, die sich in die Körper eingegraben haben. Eugene O'Neill berichtet davon mit Worten, die wie in Säure getaucht sind. 1940, in einer Zeit, in der er "dank einer Reihe von Spritzen wieder recht fit ist", schreibt der Nobel- und mehrfache Pulitzerpreisträger diese Absage an alle Glücksversprechen des amerikanischen Traums in ein Stück über "einen alten Kummer, geschrieben mit Blut und Tränen", und bedient sich schonungslos bei der eigenen Biographie: Sein Vater war ein irischer Einwanderer, der sich als Schauspieler verdingte und zeitlebens krankhaft geizig blieb; die Mutter psychisch labil und morphium-abhängig seit dem Tod von Eugenes zweijährigem Bruder; der große Bruder Jamie, der den kleinen mit den todbringenden Masern ansteckte, wird zum schweren Alkoholiker, wie auch Eugene selbst, der in seiner Jugend an Schwindsucht erkrankte. All dies taucht motivisch in "Eines langen Tages Reise in die Nacht" auf.

Auch O'Neills weiteres Leben steht unter keinem glücklichen Stern, sein Sohn Eugene jr. bringt sich um, sein Enkel Eugene stirbt einjährig. Nichtsdestotrotz sind sein Pessimismus, seine Abgründe nicht nur hausgemacht: "Ich gehe aus von der Theorie, dass die Vereinigten Staaten, anstatt das erfolgreichste Land der Erde zu sein, der größte Fehlschlag sind. Wir hatten so viele Möglichkeiten und haben einen falschen Weg gewählt. Da es aber so ist, wäre es wohl an der Zeit, die Menschheit bei der nächsten Sintflut untergehen und die Ameisen einmal ihr Glück versuchen zu lassen ..."

Cuvilliés-Theater | Residenzstr. 1 | 80333 München
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