Ring-Matinée 2 - Arbeit
So 26.2., 11.00 Uhr | Nationaltheater
Bayerische Staatsoper
Ganz praktisch charakterisiert der Wagner-Verehrer Thomas Mann in Leiden und Größe Richard Wagners sein Idol durch die Formel Arbeit: „Es ist Solidität, bürgerliche Arbeitsakkuratesse, wie sie sich in seinen keineswegs hingewühlten, sondern höchst sorgfältig-reinlichen Partituren spiegelt“.
Auch im Ring des Nibelungen spielt Arbeit eine zentrale Rolle. Mit der Entwicklung zur industrialisierten Gesellschaft im 19. Jahrhundert wurde das dialektische Verständnis von Arbeit ungeheuer drängend: Der Freiheit zur Arbeit als Selbstverwirklichung des Menschen steht die Notwendigkeit gegenüber, sich durch Arbeit die Grundbedürfnisse des Lebens zu erfüllen. Die Antike konnte Arbeit – so lange man frei und ohne Geldsorgen lebte – noch idealisieren, und Aristoteles meinte immerhin: „Denn manches kann man für sich selbst oder seine Freunde oder um der Tugend willen tun, ohne dass es für einen freien Mann unschicklich wäre; wenn man aber ganz dasselbe für andere tut, wird man häufig als jemand gelten, der Tagelöhner- und Sklavenarbeit verrichtet.“ Spätestens mit dem durch Marxismus geschulten Arbeiterproletariat der Gründerzeit führt die Last und Unterdrückung zur Spaltung der Gesellschaft: „He! An die Arbeit! Alle von hinnen! Hurtig hinab!“ Wie ein moderner Sklavenhalter spornt Alberich seine Untergebenen an – Wagners Ring verwickelt aktuelle Fragen seiner Zeitgenossen in seinen Menschheitsmythos und formuliert Arbeit in Wechselwirkung mit Macht.
„Ganz ohne Lohn?“ muss der ausgebeutete Mime seinem Bruder entgegenschleudern – ohne Erfolg. Egal welche konkreten Parallelen der Werkinhalte man in unserer Gesellschaft sucht und findet – das Thema Arbeit ist und bleibt ein vielschichtiger Dauerbrenner.
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