Pop Art mit Orangenduft
Bis 26.2., Di-So 10.00-18.00 Uhr | Buchheim Museum, Bernried
Im Buchheim Museum der Phantasie wird nun eine Auswahl von rund 200 der buntfarbenen „Miniaturplakate“ gezeigt, mit denen vorwiegend sizilianische und spanische Exporteure im deutschen Sprachraum für ihre fruchtige Ware warben. Wer schlichte Bildchen von Früchten erwartet, wird überrascht sein. Nicht nur von der Originalität und der graphischen Qualität der Papiere, sondern vor allem von der Vielfalt und der Thematik der Motive. Freilich tummeln sich auch auf den Zitruspapieren die im Werbegenre üblichen schönen Frauen. Doch wer rechnet schon damit, auf Orangenpapieren, die vorwiegend in Spanien und Süditalien entworfen und gedruckt wurden, Tannhäuser, Till Eulenspiegel, Rotkäppchen, Rumpelstilzchen, Struwwelpeter, Max & Moritz, einem „Kaminfeger“ oder gar einem Wappen mit dem Münchner Kindl zu begegnen? Man sieht schon: Die Orangenexporteure waren in den Zeiten, als man noch nicht von Marketing, Alleinstellungsmerkmal und dergleichen sprach, durchaus clevere Leute, denn sie haben sich ganz und gar auf ihre Kunden in den deutschsprachigen Ländern einzustellen versucht. Aber auch bekannte historische Gestalten wie Hannibal und Cäsar sowie Comic- und Zeichentrick-Figuren, die in den 1950ern und 1960ern populär waren – Popeye, Micky Maus, Donald Duck oder Bambi – zieren die Papiere und werden zu Botschaftern für die fruchtige Ware. Manche der Markenzeichen prägten sich durch Serien ein. Auf einer Reihe von Struwwelpeter-Papieren zum Beispiel wurden Briefe von deutschen und österreichischen Fans veröffentlicht mit verzückten Ausrufen wie „Ihre Struwwelpeter-Orangen sind einfach knorke!“
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