Illusionen - wie Schwanensee
Sa 10.3./Mo 12.3./Fr 16.3./Mo 19.3./Do 22.3., 19:00 Uhr | Nationaltheater
Bayerische Staatsoper
Zum Zeitpunkt der Münchner Premiere im April 2011 lag die Uraufführung von John Neumeiers Illusionen – wie Schwanensee bereits fünfunddreißig Jahre zurück. Aber niemand, der damals in Hamburg dabei war, hatte das Ereignishafte vergessen, das den Abend unvergleichlich auszeichnete. Wenn auch niemand ahnen konnte, dass aus dieser glücklichen Anfangszeit eines jungen Ballettdirektors, den August Everding 1973 an die Alster geholt hatte, eine bis heute währende jahrzehntelange Ära werden sollte, die die Deutsche Ballettszene prägte und noch prägt. Was war das Besondere? Zunächst die theatralische Gewalt und Überzeugungskraft, mit der sich ein nachvollziehbares Drama vor unseren Augen abspielte und die nicht unerheblich von der Ausstattung Jürgen Roses ausging. Das Drama eines unglücklichen Königs, den man sofort als den Bayernkönig Ludwig II. erkannte. Darin aber verwoben – das Wort muss gesagt sein: auf geniale Weise – die sorgfältige Rekonstruktion eines balletthistorischen Gipfelpunktes, des zweiten Aktes von Schwanensee in der Choreographie von Lew Iwanow. Und des berühmten „Schwarzer-Schwan-Pas de deux“. Womit auch der wesentliche choreographische Beitrag von Marius Petipa zur definitiven St. Petersburger Schwanensee-Version gerettet war, der unser Bild von Tschaikowskys mythischem Werk bis heute mitbestimmt.
Die Münchner Einstudierung von Illusionen – wie Schwanensee war ein längst fälliges Heimkehren des Werkes an die Stätte, an der es seinen Ausgang nimmt. Nicht nur ist das Münchner Nationaltheater der Ort, an den die tragische Hauptfigur sich zurückzieht vor den unbarmherzigen Forderungen des Tagesgeschäfts. Der Ort, wo der König sich in die theatralische Wirklichkeit einer Schwanensee-Aufführung flüchtet, in der er sich Erlösung von seinen existentiellen Qualen ersehnt. Auch die unvollendeten Mauern des Schlosses von Herrenchiemsee finden sich wieder, ein Bild seiner nicht zu stillenden Sehnsucht nach Vollendung.
Keine der ihn umwerbenden Frauen kann ihm Erfüllung bedeuten; der Tod und der ständig präsente Mann im Schatten werden eins im atemberaubenden Schlussbild, das die existentiell-tragische Dimension menschlichen Liebes-Verlangens in ihrer ganzen Unerfüllbarkeit erfasst.
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