Joseph Süß
Sa 3.3., 19:00 Uhr, Mi 7.3., 19:30 Uhr, So 11.3., 15:00 Uhr, Di 20.3./Do 22.3./Mo 26.3./Fr 30.3., 19:30 Uhr | Staatstheater am Gärtnerplatz
Detlev Glanert (*1960), einer der renommiertesten zeitgenössischen deutschen Komponisten, greift in seiner 1999 uraufgeführten Oper „Joseph Süß“ das Schicksal des „Hofjuden“ Joseph Süß Oppenheimer auf. Süß, dem nicht nur historisch, sondern auch posthum, besonders in dem infamen Propagandafilm von Veit Harlan von 1940, massives Unrecht widerfahren ist, wird in dieser Adaption Gerechtigkeit zuteil, ohne dass Glanert und seine Librettisten die Schattenseiten der Figur aussparen, um sie billig zu idealisieren. Das Libretto von Werner Fritsch und Uta Ackermann verwendet dafür Motive aus Lion Feuchtwangers Roman „Jud Süß“ aus dem Jahr 1925.
Eine Zeitlang ist Joseph Süß als jüdischer „Hoffaktor“ Garant des höfischen Prunks des württembergischen Herzogs Karl Alexander - und zugleich Nutznießer von dessen Unersättlichkeit. Im Kraftfeld von Macht, Finanzpolitik, Religionsrivalität und Eros einerseits und der Liebe zu seiner Tochter Naemi und jüdischen Traditionen andererseits wird Süß Opfer eines Staatsstreiches, den er angezettelt und schließlich verraten hat, um für den vom Herzog verschuldeten Tod Naemis Rache zu üben. Nach dem gescheiterten Umsturz erleidet der Herzog einen Schlaganfall. Süß wird als Sündenbock ins Gefängnis geworfen und zum Tod durch den Strang verurteilt. Hier setzt die Handlung der Oper ein. Wie ein Alptraum bedrängen Süß in seiner Kerkerzelle die Stimmen der Lebenden und der Toten. Sie verdammen ihn, rufen Erinnerungen an seine Erfolge wach oder wollen ihn aus seiner jetzigen Lage befreien. Joseph Süß jedoch schlägt alle Möglichkeiten, sich zu retten, aus.
Hier gibt es ganz lyrische, kammermusikalisch durchsichtige Passagen neben grell charakteristischen, geschärften Klangballungen, weich melodiöse Gesangslinien neben auf- und nieder-zuckenden Intervalisprüngen oder dem Sprechgesang sich annähernder Figuren... Stilbildend aber ist darüber hinaus Glanerts geistreiches Spielen mit Formen, das Zitieren, das Collagieren, ohne dass darüber die eigene Handschrift zu kurz käme, schrieb die Zeitschrift Opernwelt im Dezember 1999 über Glanerts Komposition.
Es inszeniert der Erfurter Intendant Guy Montavon, ein ausgewiesener Spezialist für zeitgenössische Oper. Den Bühnenraum und die an ein barockes Habit angelehnten Kostüme hat der international gefragte Bühnenbildner Peter Sykora entworfen.
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