Frühlings Erwachen
(Live Fast - Die Young)
Sa 17.3., 20:00 Uhr | SchauBurg
Theater der Jugend
am Elisabethplatz
Was für ein wunderbar poetischer Begriff. Er könnte eine Menge angenehme Assoziationen hervorrufen: Sonne auf der Haut, junges Grün in den Bäumen, Jasminduft, helle Mondnächte, Tagträumer und Nachschwärmer, Erwartung und Vorfreude. Eigentlich! Gleichzeitig steht diese Formulierung aber auch für die schwierige Entwicklungsphase zwischen Kindheit und Erwachsensein. Eine Zeit, in der man nicht mehr Kind ist und noch nicht erwachsen. Eine Zeit des Zweifelns und Verzweifelns, die so genannte Pubertät. Und plötzlich ist man mit lauter problematischen Themen konfrontiert: Sinnsuche, Verweigerung, Schulschwierigkeiten, Todessehnsucht, Gehirnbaustelle. Probleme statt Poesie.
Konsequenterweise hat Frank Wedekind sein gleichnamiges Stück 1890 im Untertitel „eine Kindertragödie“ genannt. 16 Jahre vergingen von der Fertigstellung bis zur Uraufführung. Bei der Premiere löste das Stück einen Skandal aus. Gefangen im festgeschnürten Netz bürgerlicher Sexualmoral des Wilhelminischen Kaiserreichs verurteilte man das Bühnengeschehen als Obszönität. Darüber kann man heute milde lächeln. Längst ist es kein Tabu mehr, über Sexualität zu sprechen; Aufklärungsnöte treiben junge Menschen nicht mehr in die Verzweiflung. Eine andere Schwierigkeit des Wedekindschen Stücks für heutige Jugendliche ist die vereinfachte Darstellung aller erwachsenen Figuren; sie wirken wie milde Karikaturen, die aus der Zeit gefallen sind.
Das wusste Nuran David Calis. In seiner Bearbeitung hat er diejenigen Fragestellungen herausgestellt, die vor hundert Jahren genauso wie heute jungen Menschen in der Lebensphase des „Frühlings Erwachen“ unter den Nägeln brennen: Der Hunger nach Leben ebenso wie das Gefühl, jegliche Kontrolle über sich verloren zu haben. Überfordernde Anforderungen der Erwachsenen und die Sehnsucht nach Freiheit. „Überschreiben“ nennt Calis seine Methode der Klassikerbearbeitung. Dabei bleibt der Geschichtsplot in seinen Grundzügen unverändert. Melchior, Moritz, Wendla, Martha, Otto und Ilse sind gleich alt und gehen zusammen zur Schule. Melchior ist Drittbester seiner Klasse; Moritz hat Probleme in der Schule. Seine Versetzung ist gefährdet. Er steht unter großem Druck und lernt bis zur Erschöpfung, um die Erwartungen seines Vaters zu erfüllen. Martha hat sehr strenge Eltern und ist verliebt in den total uncoolen Moritz. Ilse weiß schon ein bisschen mehr als die anderen Mädchen und gemeinsam philosophieren sie darüber, ob das Leben als Junge oder als Mädchen interessanter ist. Wendla wird schwanger. Melchior will nicht Vater sein. Moritz schafft die Versetzung nicht und bringt sich um.
Alle reden viel. Alle haben viel Energie, aber das Eigentliche sprechen sie nie an, obwohl sie es kennen.
Regie: Beat Fäh
Bewertungen:
(noch nicht bewertet)
Weitere Veranstaltungen, die Sie interessieren könnten: