• (c) Helen Sobiralski / Universal
The Kelly Family (c) Helen Sobiralski / Universal

Zahme Zeitreise

Aus der Zeit gefallen: Die Kelly Family lädt alte Fans am 10. März in München zur großen Nostalgie-Show ein.

Man musste sie lieben oder hassen. Musste! Ausflüchte gab es nicht. An der Haltung gegenüber der Kelly Family wurden Freundschaften gemessen – das wird auf den meisten Schulhöfen der 90er-Jahre so gewesen sein. So dürften vor Kurzem die einen mit Entsetzen, die anderen mit Entzücken von der Rückkehr der Kelly Family erfahren haben. Aber kann “We Got Love”, so der Albumtitel, heute noch die Gemüter in ähnlicher Weise erhitzen wie damals?

“Mit modernster Produktion schlägt ‘We Got Love’ eine musikalische Brücke zwischen Kelly-Klassikern und neuen Songs einer The Kelly Family, wie man sie noch nie gehört hat”, behauptet die Plattenfirma im Begleitschreiben – und verspricht damit gleich mehrfach zu viel.

Den Hauptteil des Albums bestreitet die deutlich geschrumpfte Band (die Geschwister Maite und Paddy waren für das Revival nicht zu begeistern, Barby lässt sich nur zu einem Gastauftritt hinreißen) mit altbekannten Titeln. Wirklich frisch klingen die aber nicht, höchstens hartgesottene Fans dürften einen Unterschied zu den Urversionen feststellen. Allenfalls kommt gelegentlich die Frage auf, ob die Kelly Family schon immer derart penetrant irisch klang: Wenn in einem Song mal nicht gefiedelt wird, wird geflötet.

Ändert sich “An Angel”?

Ansonsten gibt’s eher unauffällig-freundlichen Folkrock und -pop, der – um die Eingangsfrage zu beantworten – weder sonderlich begeistert noch wirklich abstößt. Das einzige wirkliche Ärgernis ist die vertane Chance, “An Angel” zu entkitschen. In den Strophen gibt’s reichlich Gezitter in der Stimme, und wer gehofft hatte, im Refrain diesmal von sehnenden Kinderstimmchen verschont zu bleiben – immerhin ist der damals verantwortliche Angelo mittlerweile 35 Jahre alt – sieht sich schon mit der nächsten Generation konfrontiert: Emma, die Tochter des einst ach so süßen Sängers übernimmt nun den Part.

Auch was die neuen Songs angeht, sind die so neu nicht: Von 19 Stücken in der “Deluxe-Version” sind nur zwei eigens für das Album geschrieben worden, zwei weitere waren schon auf Solo-Alben zu hören, und das gut gelaunte Cover des ewigen Klassikers “Stand By Me” darf wohl ebenfalls kaum als musikalische Innovation gelten. Alle fünf heben sich jedoch nicht vom Rest des Albums ab, sondern fügen sich ganz harmonisch-irisch-folkig zwischen die alten Hits ein. So ist “We Got Love” vielleicht ein Fest für einstige Fans. Alle anderen dürften sich heute höchstens darüber wundern, worüber man sich früher eigentlich so aufgeregt hat.

The Kelly Family auf Tournee:

15.02.2018, Schwerin, Sport- und Kongresshalle

16.02.2018, Halle, Gerry Weber Stadion

17.02.2018, Köln, Lanxess Arena

22.02.2018, Kiel, Sparkassen-Arena

23.02.2018, Hannover, TUI Arena

24.02.2018, Hamburg, Barclaycard Arena

02.03.2018, Berlin, Mercedes-Benz Arena

03.03.2018, Chemnitz, Arena

04.03.2018, Bremen, ÖVB-Arena

09.03.2018, Wien, Stadthalle

10.03.2018, München, Olympiahalle

11.03.2018, Zürich, Hallenstadion

16.03.2018, Dortmund, Westfalenhalle

17.03.2018, Oberhausen, König-Pilsner-Arena

18.03.2018, Braunschweig, Volkswagen Halle

Aktuelle Konzerte und alles rund um die Stars hinterm Mikrofon finden Sie in unserer Rubrik Musik.

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Von: | 2018-02-15T10:06:25+00:00 Feb 13, 2018|Konzerte, news|