• (c) Albert Tatlock
(c) Albert Tatlock

Machine Head rocken die TonHalle

Die Maschine hat ihren eigenen Kopf: „Catharsis“ ist alles andere als ein Konsensalbum für Machine-Head-Fans. Am 21. April tritt die Metal Band in der TonHalle auf.

„Fuck the world“: Das sind die ersten Worte, die man aus dem Mund von Robb Flynn vernimmt. Natürlich gibt es freundlichere Wege, um eine Platte zu eröffnen. Allerdings hat wohl niemand erwartet, dass Machine Head mit „Catharsis“ plötzlich auf Kuschelkurs unterwegs sein würden. Was man von ihr erwartet, scheint der US-Band inzwischen aber ohnehin egal zu sein. Die Metal-Monster haben sich schon lange aus ihrem Käfig befreit.

Mit dem Vorgängeralbum „Bloodstone & Diamonds“ (2014) und dem melodischen, als Einzelsong veröffentlichten Titel „Is There Anybody Out There?“ (eine Antwort auf den Rassismus-Skandal um Pantera-Shouter Phil Anselmo) stellten Machine Head bereits die musikaischen Weichen für die neue Platte. Was davor war, spielt auf „Catharsis“ keine große Rolle mehr.

Flucht nach vorne

Bestimmt hätten sich viele Fans über ein zweites „The Blackening“ (2007) oder gar einen ebenbürtigen Erben des bahnbrechenden Debüts „Burn My Eyes“ (1994) gefreut. Das Risiko indes, damit zum Plagiator der eigenen Werke zu werden, wäre hoch gewesen. Dann lieber die Flucht nach vorne antreten: Das akustisch gehaltene Stück „Behind A Mask“ spielt mit schwermütiger Alternative-Balladerei; „Heavy Lies The Crown“ entwickelt sich vom klaustrophobischen Flüstersong zum ausgewachsenen Thrasher; „Bastards“ hingegen ist ein politisch motivierter, am Folk orientierter Song, der sich einen Platz auf dem Treppchen der spannendsten Machine-Head-Exoten sichert.

Ein wenig wühlen Machine Head auf „Catharsis“ dann aber doch in der eigenen Vergangenheit. Delikaterweise vor allem in den Bereichen, welche seinerzeit nicht von allen Anhängern mit Begeisterung aufgenommen wurden. „Triple Beam“ wirkt mit Rap-Elementen und Drogenthematik wie ein kurzer Blick in den Rückspiegel, kurz wird auch die Phase rund um „The Burning Red“ (1999) angezapft. Einige Songs verzetteln sich dabei leider zwischen 90er-Flair und klassischem Metal.

Was zunächst etwas wie ein strukturloser Flickenteppich anmutet, entpuppt sich nach mehrmaligem Hören jedoch als durchaus spannend. „Catharsis“ ist wie ein Pool, in dem letztlich jeder Fan einen dicken Fisch findet. Ob die von Frontmann Robb Flynn geäußerte Hoffnung, „dass Metal mit diesem Album wirklich in den Mainstream vordringen könnte“, sich erfüllt, bleibt dagegen abzuwarten.

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Bewertung 5 (3 Bewertungen)
Von | 2018-03-27T17:03:18+00:00 Mrz 23, 2018|