• (c) Paul Gärtner
(c) Paul Gärtner

Die Beatsteaks treten im Zenith auf

Dank der Beatsteaks gibt es bürgerlichen Punkrock. Verstören will ihr letztes Album „Yours“ natürlich nicht. Gute Beats bringen sie trotzdem mit für ihren Auftritt am 10. April im Zenith.

VW-Passat-Fahrer-Punk: Den gibt’s wirklich. Immerhin produzieren die Beatsteaks seit über 20 Jahren in wechselnder Besetzung Pop-Punk-Alben, die einen auf hart machen, es aber nie so richtig sind. Beatsteaks-Musik, das ist die Begleitung für das Exzess-Erlebnis von Familienvätern mit drei Bier intus in einem riesigen Stadion. So selbstzerstörerisch wie die Ramones war die Berliner Gruppe aber noch nie. Die Beatsteaks sind eher verlässliche Kumpels als verdrogte Anarchos. Das ist auch in Ordnung, oft sogar hochsympathisch. Irgendwas muss im Kombi nun mal laufen, wenn die Kinder vom Fußballtraining abgeholt werden und es auf Arbeit Stress gab – aber bitte nichts, was zu krass ist. Auch das Album „Yours“ hat nichts Verstörendes.
Stattdessen: Halligalli und Schalalala. Die Beatsteaks wissen ziemlich genau, wie Musik für Stadien, große Hallen und Freitagnachmittage kurz vor Feierabend zu klingen hat. Es geht auch auf „Yours“ vor allem darum, dass das Leben schön ist („Nimm dir Zeit für Good Vibes“), aber manchmal auch beschissen. Gedankengänge also, die jeder mal hat, die auf dem Album aber gar nicht groß präzisiert werden. Alles bleibt schwammig: nicht klug, sondern dumpf. Perfekt also, um sich berieseln zu lassen.

Eine vertonte Stimmungsschwankung

Auch die Gitarren rieseln mal dezent über die Drums, und dann wird plötzlich doch noch gestampft und geprügelt. „Yours“ wirkt wie eine vertonte Stimmungsschwankung mit einigen instrumentalen Wutausbrüchen. Gleichzeitig aber sind es Songs, die Sonntag früh um neun Uhr laufen könnten, wenn das Frühstücksei auf dem Tisch steht und es nach Kaffee duftet. Das, was die Beatsteaks hier perfektioniert haben, ist bürgerlicher Punkrock – zwei Sachen, die sich ja eigentlich ausschließen. „I don’t have the answer, but I have a plan“, singen sie gleich am Anfang des Albums auf „40 Degrees“. Der Plan für „Yours“ war offensichtlich schlicht, mit den Kumpels (unter anderem Deichkind, Farin Urlaub und Stereo Total) etwas zu experimentieren, ohne am Ende großartige Experimente zu wagen. Manchmal wird es dann sogar elektronisch, aber tanzen wird dazu wohl keiner mehr.

Das Punkige an den Beatsteaks wiederum ist eigentlich, dass sie so wunderbar unpunkig sind. Das so stoisch durchzuziehen und mit dem Anarchischen so selbstsicher zu brechen, ist durchaus auch Punk. Auf „Yours“ sind die Beatsteaks letztlich dieselben Typen wie immer: nett, unaufgeregt, mit Musik dabei, die bis Mitternacht laut aufgedreht wird. Dann geht’s ins Bett.

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Bewertung 4 (2 Bewertungen)
Von | 2018-03-13T09:33:29+00:00 Mrz 13, 2018|