
Franz Wanner, Aus der Serie Musterfolien (Sample Slides), 2024-2025, © Franz Wanner
Franz Wanner im Lenbachhaus – Geschichte und Erinnerung
„Eingestellte Gegenwarten“ – Kunst als kritische Spurensuche
Mit der Ausstellung „Eingestellte Gegenwarten“ widmet das Lenbachhaus dem Künstler Franz Wanner eine vielschichtige Analyse von Geschichte, Erinnerung und gesellschaftlichen Kontinuitäten. Bis 19. Juli 2026 Wanner verdrängte Perspektiven ins Zentrum – und stellt unbequeme Fragen an die Gegenwart.
Ein Objekt als Ausgangspunkt

Im Mittelpunkt steht ein unscheinbares, zugleich eindringliches Fundstück: eine Plexiglas-Schutzbrille aus dem ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen. Sie verweist auf Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie – und auf ein individuelles Schicksal, das im Dunkeln bleibt.
Das Material selbst trägt historische Bedeutung: Plexiglas wurde ab den 1930er-Jahren vor allem für militärische Zwecke genutzt. In der Ausstellung erscheinen Objekte aus diesem Stoff als stille Zeugnisse, die den Raum in eine Art historischen Tatort verwandeln.
Wanner untersucht die strukturellen Kontinuitäten von Arbeit und Ausbeutung. Die NS-Zwangsarbeit bildet dabei den Ausgangspunkt – mit Verbindungen bis in die Nachkriegszeit, etwa zu den Anwerbeabkommen der sogenannten Gastarbeiter.
Die Ausstellung zeigt, wie historische Strukturen fortwirken und sich in neuen gesellschaftlichen Kontexten wiederfinden. Archive, Materialien und künstlerische Setzungen eröffnen einen Blick auf diese oft übersehenen Zusammenhänge.
Kunst als kritisches Gedächtnis
Neben der historischen Perspektive richtet sich der Blick auch auf die Gegenwart: staatliche Institutionen, wirtschaftliche Verflechtungen und europäische Migrationspolitik werden hinterfragt.
Wanners Arbeiten bewegen sich zwischen Recherche und künstlerischer Intervention – sie machen sichtbar, wo Erinnerung lückenhaft bleibt und wie Geschichte erzählt, verändert oder verdrängt wird.
Ein Ausstellungsprojekt mit Tiefenschärfe
Kuratiert von Stephanie Weber knüpft die Ausstellung an frühere Arbeiten Wanners an und entwickelt sie weiter. „Eingestellte Gegenwarten“ versteht sich als Einladung, Geschichte nicht als abgeschlossen zu betrachten, sondern als Teil einer fortlaufenden Auseinandersetzung.
Mehr Infos in unserem Kalender und auf der Webseite des Lenbachhauses.
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