
Tanz auf dem Drahtseil der Geschichte
Ein Ferngespräch. Szenen aus der Weimarer Republik
„Ein Ferngespräch. Szenen aus der Weimarer Republik“ im Lenbachhaus entfaltet bis 27. September ein vielstimmiges
Panorama zwischen Aufbruch und Abgrund. Im Zentrum stehen keine großen Thesen, sondern dichte Momentaufnahmen: Käte Hoch zeigt ihren Freund Erich Müller-Kamp beim Telefonat, während Kurt Tucholsky den Ton der Zeit kommentiert. Frauen mit Bubikopf, inspiriert von neuen Freiheiten, tippen, tanzen Charleston und träumen – wie in „Das kunstseidene Mädchen“. Zwischen Varieté, Transformationskleid und flirrendem Nachtleben verschieben sich Rollenbilder.
Doch die glänzenden Oberflächen trügen: Armut, Krise und politische Radikalisierung prägen den Alltag. George Grosz entlarvt den aufkommenden Nationalsozialismus, während sich Widerstand formiert. Kunst wird hier zum Echo einer zerrissenen Gesellschaft – ein Ferngespräch, das bis in die Gegenwart reicht. Und gerade in den leisen Untertönen wird spürbar, wie nah uns diese Epoche noch ist.
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