Jugend ohne Gott
Eine Klasse Jugendlicher erklärt ihrem Lehrer den Krieg. Der Lehrer sieht eine riesige Kluft zwischen den Generationen, er findet, das "Zeitalter der Fische" sei angebrochen. Seine Schüler*innen wachsen in einem Klima von Gefühlskälte und Leistungsdruck auf.
Das System duldet keinen Widerspruch, bildet aus für einen Kampf, in dem der Stärkere siegt. Der Lehrer ist angepasster Teil dieses Systems, aber innerlich hadert er, er spioniert seine Schüler*innen genauso aus wie sie ihn. Verirrt in eigenen Widersprüchen, beschließt er, den Mechanismen von Lüge und Verrohung einen Strich durch die Rechnung zu machen. Erst nachdem in einem Trainingscamp ein Schüler ermordet wird, schafft es der Lehrer, im Gerichtsprozess die Wahrheit zu sagen. Sie kostet ihn seine berufliche und persönliche Existenz. Tatsächlich löst er eine "Infektion von Wahrheit" aus. Gibt es eine gerechte Strafe? Gibt es etwas, an das man glauben kann?
Der Autor Ödön von Horváth, der sich bis 1937 in einem Dilemma zwischen Widerstand gegen den heraufziehenden Nazismus und seiner Suche nach Anerkennung befand, schrieb sich mit diesem Roman endgültig ins Exil. Die Frage nach Wahrheit und Empathiefähigkeit stellt sich brandaktuell in einer Gesellschaft, in der Gott nicht mehr existiert. Horváth nannte es "die Verblödung der Luft", wir nennen es den digitalen Weltzugriff. Regisseurin Felicitas Brucker übersetzt in ihren Inszenierungen Nöte der Individuen durch gesellschaftliche Mechanismen in starke, körperliche Bilder.
Quelle: Veranstaltende
Theaterkasse, Tel. 2 33-9 66 00 (Mo-Sa 11.00-19.00 Uhr, So & Fei geschlossen), Kartenansage: Tel. 2 33-9 66 01
Tickets online kaufenMaximilianstr. 26-28, 80539 München
www.muenchner-kammerspiele.de
Rubrik Theater, Ballett, Oper | Theater anzeigen
