
© Haus des Deutschen Ostens
Einfach schön? Politisierung „deutscher Volkskultur“ aus dem östlichen Europa
Ausstellung im HDO: Wenn Tracht zur politischen Botschaft wird

Wie kann etwas vermeintlich Unpolitisches wie Tracht oder Volkstanz zur politischen Botschaft werden? Dieser Frage widmet sich die neue Ausstellung Einfach schön? Politisierung „deutscher Volkskultur“ aus dem östlichen Europa, die vom 24. Juli bis 17. Oktober im Haus des Deutschen Ostens (HDO) in München zu sehen ist. Die Eröffnung findet am 23. Juli um 18 Uhr statt.
Die vom Institut für Kulturanalyse der Deutschen des östlichen Europa (IKDE) in Freiburg erarbeitete Ausstellung macht erstmals systematisch die politische Instrumentalisierung der Ästhetik der sogenannten „Volkskultur“ der deutschen Bevölkerung aus dem östlichen Europa zwischen den 1920er- und 1960er-Jahren sichtbar. Im Mittelpunkt stehen Regionen wie Siebenbürgen und das Banat (Rumänien) sowie das Egerland (Tschechien).
Gezeigt wird, wie Praktiken wie Volkstanz und Tracht nicht nur als „einfach schön“ wahrgenommen, sondern zugleich ästhetisch aufgeladen und politisch genutzt wurden. Der Schwerpunkt der Präsentation liegt bewusst auf den Darstellungen von „Volkskultur“ statt auf den Objekten selbst: Anstelle originaler Trachten stehen Fotografien und bildliche Inszenierungen im Mittelpunkt. Dadurch werden Kontinuitäten und Brüche in der Verwendung der „Volkskultur“ auch über das Jahr 1945 hinaus sichtbar.
Die Ausstellung wird in München in Kooperation mit dem Haus des Deutschen Ostens und der Heimatpflegerin der Sudetendeutschen gezeigt. Zur Eröffnung sprechen Professor Dr. Andreas Otto Weber, Direktor des HDO, sowie Christina Meinusch, M.A., Heimatpflegerin der Sudetendeutschen. Den Einführungsvortrag hält Jana Stöxen (IKDE) zum Thema:
„Bei vornehmen Leuten soll man nirgends und nie Volksmusik sammeln“ – Prämissen und Praktiken einer Volkskulturforschung im und aus dem östlichen Europa zwischen „Echtheit“ und Inszenierung des „einfach Schönen“.
Begleitprogramm mit Vorträgen
Die Ausstellung wird von mehreren Vorträgen begleitet:
- Do 30. Juli, 19 Uhr: Zwischen Heimat und Herrschaft – Trachtenkulturen der Deutschen im östlichen Europa, 1918–1945 mit Dr. Lilia Antipow-Altrichter
- Do 3. September, 19 Uhr: Die Erntedankfeste in Saybusch (Żywiec, Oberschlesien) 1941–1943 mit Dr. Dr. h.c. Hans-Werner Retterath
- Do 8. Oktober, 19 Uhr: Raum für mehr: Die Egerländer Stube zwischen idyllischem Sehnsuchtsort und nationalsozialistischem „Kultraum“ mit Dr. Elisabeth Fendl
- Di 13. Oktober, 17.30 Uhr: Kuratorenführung durch die Ausstellung mit Dr. Lilia Antipow-Altrichter
Weitere Informationen zur Ausstellung und zum Begleitprogramm gibt es auf der Webseite des Hauses des Deutschen Ostens.
Weiteres in der Rubrik Ausstellungen und auf der Seite Ausstellungen.
