
Wahn, überall Wahn
Die Tiroler Festspiele Erl im Dezember und Januar
Der Winter naht, und mit ihm zieht mehr als nur eine gewisse geistige Unruhe in die Tiroler Festspiele ein. Denn diesen Winter geht es in Erl um den Wahnsinn.
Donizettis „Lucia di Lammermoor“, inszeniert von Louisa Proske und am 27. Dezember sowie am 2. und 4. Januar zu erleben, hängt dieser gleich mehrfach an. Die Titelheldin verfällt ihm in jener atemberaubend, treffend „Wahnsinns-Arie“ genannten Todesszene. Die Arie ist nicht nur wahnsinnig schön und wahnsinnig schwer, sondern wird obendrein von einer Glasharmonika begleitet. Ein Instrument, dem man einst nachsagte, es mache verrückt. Die Vorstellungen am 27. Dezember und 4. Januar sind bereits ausverkauft, aber für den 2. Januar gibt es noch einige wenige Restkarten.
Doch der Reigen des Irrsinns dreht sich weiter! Die Musicbanda „Franui“ widmet sich am 3. Januar Schumanns „Geistervariationen„. Der Komponist, der am Rosenmontag 1854 verwirrt in den Rhein sprang, war überzeugt, das Thema sei ihm aus dem Jenseits in die Feder diktiert worden.
Zum Glück gibt es aber auch noch andere Formen der Entrückung. Marina Rebeka wird im Silvesterkonzert am 31. Dezember mit Werken von Verdi, Puccini, Bellini, Gounod und Tschaikowski zu erleben sein, Chefdirigent Asher Fisch dirigiert im Neujahrskonzert Strauß, Brahms und Kodály.
Caroline Peters öffnet das musikalische Universum der Callas

Zum Schluss seien zwei ganz besondere Schmankerl erwähnt: Caroline Peters kommt am 4. Januar nach ihrer umjubelten Lesung im Herbst erneut nach Erl – diesmal, um aus Gesine Baurs Callas-Biographie zu lesen. Dazu begleiten sie Mariko Hara an der Viola und Sarah Tysman am Flügel und lassen in kunstvollen Paraphrasen Momente aus Opern aufleben, die die Karriere der Callas besonders geprägt haben. Ein Abend für Callas-Fans und solche, die es werden wollen.
Auch die berühmte australische Diva Jessica Pratt kommt wieder nach Erl. Als sie vergangenen Winter in I Puritani wahre Begeisterungsstürme auslöste, war klar, dass die Rückkehr nicht lange auf sich warten lassen würde. Am 28. Dezember singt sie Bellinis La sonnambula – Belcanto in seiner schönsten Form, traumwandelnd irgendwo zwischen Schlaf und Extase.
Ein Programm also, das seinem Thema alle Ehre macht – ein wahrer Wahnsinn!
Weitere Informationen finden Sie außerdem auf der Webseite der Tiroler Festspiele Erl und natürlich in unserem Kalender.
Weiteres in der Rubrik Oper & Operette und auf der Seite Oper & Operette.
